„Die Büchertasche steht im Flur, die Schule ist jetzt aus. Bei mir ist’s was Besond’res heut, ab jetzt bleib ich Zuhaus. Jetzt steh‘ ich im Gedanken hier, frag mich: Wie wird’s mit mir?

So begann das Lied – im Original von Vicky Leandros „Ich liebe das Leben“ umgetextet und live gesungen von Klemens Enders – Lehrer der Mittelschule Bad Neustadt – anlässlich seiner eigenen Verabschiedung. Mit über 66 Lenzen und nach 38 Dienstjahren verlässt er nun „seine“ Mittelschule, an der er sein ganzes Lehrerleben – ausgenommen im Referendariat – unterrichtet hat, eine wahre Seltenheit.

Schulleiter Stephan Zimmermann ließ zunächst Enders schulische Laufbahn Revue passieren: „Als echtes Rhöner Kind hast Du in Deinem Heimatort Bischofsheim die Grundschule besucht. Nach dem Gymnasium in Bad Neustadt und dem Wehrdienst ging es zum Lehramtsstudium nach Würzburg. Welch ein Glück, Du bist wieder in die Rhön zurückgekommen und hast unzählige Kinder aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen in nahezu allen Fächern unterrichtet, damit ganze Generationen geprägt“.

Daneben war Enders jahrzehntelang als Fachberater Sport, sowie als Geschäftsführer im Arbeitskreis Schulsport aktiv. Unzählige Turniere in unterschiedlichen Sportarten, Wettkämpfe und Sportfeste trugen seine Handschrift. „Als leidenschaftlicher Skifahrer hast Du Hunderten von Jugendlichen im Schulskikurs diese Sportart bei- und nähergebracht“ fuhr Zimmermann weiter fort. „Mir persönlich fällt dein Weggang schwer. Du hast immer kollegial agiert, offen deine Meinung gesagt und warst dabei stets sportlich fair, dafür danke ich im Namen der ganzen Schulfamilie“.

Für das Kollegium der Mittelschule packte Petra Ziegler die Vorzüge und Eigenschaften des künftigen Pensionisten in eine bunte Bild-Präsentation und schlüpfte dabei – auch aus emotionalen Gründen – in die Rolle der Bordbegleiterin Beatrice. „Lieber Klemens, werte Gäste, liebe Besatzung der MS NES, wir verabschieden heute unser geschätztes Crewmitglied Klemens Enders, der über 35 Jahre Teil dieser Mannschaft war“. Diese lange Dienstzeit sei schon etwas Außergewöhnliches.

„Doch dein Dienstalter ist nur ein kleiner Baustein, was dich als Kollege so besonders macht“ sagte sie. „Vielmehr ist es deine Kollegialität, Offenheit und Präsenz, die du uns täglich gezeigt hast – eine stabile Konstante eben. Ob am frühen Morgen beim Kaffeekochen, in den Pausen oder am Freitag nach Schulschluss im Lehrerzimmer, Du warst einfach immer da. Dabei ist es dir auch gelungen, stets Ruhe auszustrahlen. Hektik ist für dich ein Fremdwort“.

Bemerkenswert sei zudem die (nahezu täglich) gute Laune und das ansteckende Lachen des scheidenden Kollegen. „Jedes Besatzungsmitglied kann bezeugen, dass man mit dir plaudern, lästern, Frust ablassen, diskutieren, philosophieren oder einfach mal „chillen“ kann.“ Vielseitigkeit, Verlässlichkeit, Musikalität, Geduld und Geselligkeit zeichneten ihren Worten nach die Lehrerpersönlichkeit Enders zusätzlich aus. „Wir würden Dich zum König der Mittelschule krönen“.

„Dein Abschied aus unserer Crew macht uns alle sehr traurig. Jeder hat gespürt, wie gerne du Teil dieses Kollegiums warst. Danke für all die schönen Erinnerungen, die wir hier mit dir an Bord hatten. Du hast wertvolle Arbeit geleistet, als Kollege kann man sich keinen Besseren wünschen“ schloss die Pädagogin.

Vom Lehrerchor gab es als Abschiedslied „Adieu mein kleiner Gardeoffizier“ maßgeschneidert für den scheidenden Kollegen, dabei wurde das ein oder andere Tränchen vergossen. Den Schlusspunkt setzte Klemens Enders an der Gitarre selbst: „Und fällt der Abschied mir auch schwer, freu ich mich auf die Rente sehr!“

(c) Text: Michaela Greier